Toronto – Eindruecke – Erfahrungen – Der Abschlussbericht

Es geht auf die letzten 2 Wochen Toronto zu und ich hab mir vorgenommen in diesem Eintrag mal die Dinge zusammen zu schreiben, die in irgendeiner Weise einen Eindruck auf mich gemacht haben.

Rockmusik

The Germans - Toronto
Eine Sache die mir mit der Zeit aufgefallen ist, ist die Leidenschaft der Leute hier fuer Rockmusik. Im Sommer werden hier riesige Buehnen in der Stadt aufgebaut und da spielen einfach mal lokale und nationale Rock/Emo/Alternative Groessen wie Billy Talent, Alexis on Fire, Finger Eleven neben Popkram wie Fergy und Avril Lavigne. Das muss man sich mal vorstellen: selbst Silvester spielt bei uns maximal Phil Colins oder U2 vorm Brandenburger Tor, meist aber irgendwelcher Radiopopmist in der Oeffentlichkeit und verlangt uns ungeniert audiophile Schmerzfreiheit ab. Hier fand ich die Welt in Ordnung, mit handgemachter Musik, laut, viel und Bier 🙂

Streetcars

Streetcars – bei uns Strassenbahnen.
Kurz gesagt: kein Fahrplaene und wenn eine kam dann meist ueberfuellt. Sehr oft habe ich vier davon direkt hintereinander verpasst und nach 20 Minuten warten dann die naechste ueberfuellte genommen.
Der Vorteil: wenn man krank werden will, dann ist die Chance sich so eine Richtig moerderische Grippe einzufangen, dort am groessten 🙂

Kaffee

„Der teure ist ok, der normale wie Tee“
Also alles was sich Regular Coffee nennt und aus den grossen 3-4 Liter „Tanks“ kommt, schmeckt irgendwie nur halb so geil und irgendwie anders als das was bei Oma zum Kaffeetrinken auf den Tisch kommt. Bestellt man allerdings nen Latte Machiato der mit Espresso zubereitet wurde ist die Welt in Ordnung. Aber ich glaube das ist nicht nur ein kanadisches sondern ein nordamerikanisches Problem. Das war vor 5 Jahren in den USA aehnlich.

Grippe
Grippe ist hier etwas auf das man verzichten kann. Was ich bisher daheim als 1-2 Tage anhaltende Arbeitspause kannte, zeigte sich hier als 6 taegige Ganzkoerperlaehmung mit 2 woechigem Nachhall.
Naechstes mal Grippeimpfung!

Autos
…haben Leute die im Zentrum wohnen keine. Braucht hier auch keiner. Man steht damit nur im Stau, zahlt 20 CAD Parkhausgebuehr pro Tag und ist konstant langsamer als die UBahn. Stattdessen werden hier Konzepte wie „Auto-Share“ genutzt, wo man gegen eine Monatsmiete Zugriff auf ein Auto hat, was man sich mit anderen teilt…oder halt Taxis…

Taxis
…gibts wie Sand am Meer so lange man sich in der „Downtown“ish area aufhaelt und sie werden auch fuer alles genutzt – besonders zu einkaufen. Rueckblickend muss ich sagen, dass Taxis relativ guenstig sind. Eine vergleichbare Fahrt von Jena-Zentrum nach Winzerla kostet 10 CAD, das sind ca. 7 EUR. Deshalb hab ichs mir auch mal gegoennt und meinen Partyeinkauf mit dem Taxi gemacht 🙂

Kanadier…
…findet man in Toronto nur zu ca. 47 Prozent. Der Rest kommt aus aller Welt und aus Jena. Ich fand es in der ganzen Zeit sehr angenehm. „There’s no racism…we just get along with eachother…“ erzaehlt der Busfahrer. So war auch mein Eindruck. Es gibt natuerlich auch Ecken, die man in Toronto meiden sollte, aber wenn man zentral wohnt, muss man dafuer erstmal ne halbe Stunde fahren….macht man also nicht.

Fernsehen
…was bei uns Kabelfernsehen und Telekom ist, ist hier Rogers. Die meisten haben ein Komplettpaket mit TV, Telefon und Internet und wie bei uns kommt im TV nur Schrott, aber auf englisch. Gesamtlaufzeit nach 4 Monaten: 4 Stunden…ungefaehr 😉

Essen

In Toronto Essen gehen fetzt. Man kann hier Wochen lang jeden Tag was neues Entdecken. Mein Favorit bisher: Korean Barbeque Queenstreet West. Kurz beschrieben ist jeder Tisch ein Gasherd mit Grill-Loch in der Mitte. Je nach Menu wird diese angeschmissen und man bruzelt dann gemuetlich sein Fleisch. Da wir Hektiker sind und nie Zeit haben, haben wir das nie gemacht, sondern immer nur die Lunch-Combos genommen. Das ist dann Fleisch in Holzboxen mit Reis und schoenen scharfen Sossen.
… und sonst so: Sushi-Bars waren auch sehr schick: leider reicht mir Sushi einmal im Monat. Hamburger in Restaurants: sehr zu empfehlen. Steaks: Der Wahnsinn.

Kredit und Karten
…eines der am haeufigsten von mir losgetretenen Diskussionen: Das Leben auf Pump. Alles begann damit wie ich mich fragte, wie zur Hoelle sich hier Leute 40qm Wohnungen fuer 300.000 CAD kaufen oder fuer > 2000 CAD pro Monat mieten koennen. Diese piekfeinen aus dem Boden gestampften Hochhaeuser, werden hier bei Kauf als Condominium „Condo“ oder bei Miete als Appartment bezeichnet. Waerend fuer mich meine Kreditkarte nur eine weitere Form des Zugriffs auf das Geld AUF meinem Konto ist, wird die Kreditkarte hier wirklich mit Vorlieb dazu genutzt Schulden zu machen.
„I just pay the minimum rate of 50$…“ „Wie jetzt“
war meine Reaktion. Wenn Leute hier was mit Kreditkarte bezahlen, dann kommt die Rechnung am Monatsende. Anstatt aber den kompletten Betrag zu bezahlen, kann man auch jeden Monat nur 50$ bezahlen. Das ist natuerlich sehr praktisch, da eigentlich jeder 50$ hat. Komischerweise denkt hier kaum einer daran, dass sich im Hintergrund schoen die Schulden aufbauen, plus Zinsen an die Bank.
Dies wurde mir von sovielen Leuten bestaetigt, dass ich mich frage wie das geht. Wie es geht wurde mir dann auch erzaehlt. Wenn die erste Bank die Kreditkarte sperrt, weil nicht mehr zurueckgezahlt wird, dann wird einfach bei der naechsten Bank angeklopft, und das gleiche Spiel geht von vorn los. Menschen sind oft mit 30 Jahren mit tausenden Dollarn verschuldet…und das oft nicht, weil es nicht anders geht oder unglueckliche Umstaende es nicht anders zulassen, sondern aus Konsumrausch und Kurzsichtigkeit.
Nun ja, ist halt einiges bissl anders hier.

Rauchfreie Bars, Clubs und Restaurants…
…gibt es hier 🙂 Wovor daheim alle Angst haben ist hier an der Tagesordnung und funktioniert ohne Diskussion. Raucher talken vergnuegt im Freien, Nichtraucher stinken nicht mehr und alle sind gluecklich.

Trinkgeld,

10-15%, eher 15% sollten es schon sein, wenn man nicht absichtlich unhoeflich sein will. Da das Grundgehalt vieler Angestellten in Restaurants fast unter dem Grundgehalt von ca. 5-6 CAD liegt, macht das Trinkgeld einen Teil des Einkommens aus. Ist dann auch lustig, wenn man von nach Deutschland gereisten Kanadiern verwundert berichtet bekommt, dass sie schief angeschaut wurden, als sie beim Bier bestellen Trinkgeld geben wollen 🙂

Nachsynchronisierte Filme
Ist hier nicht sehr anerkannt. Wir Deutschen sind es ja gewohnt, dass so ziemlich jeder auslaendische Streifen sehr professionell ins Deutsche synchronisiert wird. In diesem Punkt haben wir mit den Kanadiern nichts gemeinsam. Hier bevorzugt man es jeden nicht englisch- oder franzoesischsprachigen Film in Originalsprache mit Untertitel zu sehen. Das ist nicht nur so, sondern das sagen die Leute auch so. Ich fands nach etwas Eingewoehnung auch klasse und hab franzoesische, spanische und sogar einen rumaenischen Film mit engl. Untertitel geschaut. Es wirkt alles wesentlich echter.

….aber kurz gesagt: Unterschiede und Besonderheit gibt es ueberall und ohne Zweifel waren das verdammt schoene 4 Monate Lebenserfahrung.

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